Am letzten Samstag waren KaWumm und ich auf dem Freakshow-Festival in Würzburg.
Charly, bei uns im Forum als Freakcha registriert, ist der Organisator dieses Festivals und er organisiert auch den Auftritt einiger Bands auf der Freakstage auf Herzberg.
Auch wenn die Location kurzfristig geändert werden musst, lief doch alles wohl organisiert ab. Dass es sich um ein Stammpublikum handelt, konnte man an der Bemerkung hören, dass Charly sich freue, auch ein paar neue Gesichter zu sehen. Man kennt sich offensichtlich.
Die drei Gruppen, die an diesem Tag spielten, waren alle auf Ihre Art bemerkenswert.
Einen ruhigen Start boten Aranis aus Belgien mit folgender Instrumentierung: Flöte, Violine, Akkordeon, Gitarre, Kontrabass, Piano und Schlagzeug.
Aranis machen eine eigenartige Musik, und ihre lange Liste in Myspace der Musiker, von der sie sich beeinflusst fühlen, weist schon ein wenig auf die Art ihrer Musik, einer Mischung aus Postrock, Chansoneskem, Folkigem, RIO und Moderner Klassik, unter komplettem Verzicht auf elektrifiziertes Instrumentarium. Für mich waren am deutlichsten die Einflüsse von Univers Zero, Rabih Abou-Khalil, Astor Piazzolla, Renaud Garcia-Fons und die der Minimalisten Michael Nyman, Steve Reich und Terry Riley hörbar. Normalerweise auf Schlagzeug verzichtend, hatten sie diesmal Dave Kerman als Gastmusiker dabei. Wer ihn sonst kennt, war sicher erstaunt, wie zurückhaltend er spielen konnte, dennoch glaube ich, dass er nicht vonnöten war, da die meisten Instrumente recht perkussiv eingesetzt wurden.
Unglaublich fand ich, dass die langen und komplexen und offensichtlich durchkomponierten Stücke ohne Notenvorlage gespielten wurden (falsch – die Flötistin hatte einen Zettel mit einer kurzen Notenreihe an den Mikroständer geklebt, warum sie sich das nicht merken konnte, weiß ich allerdings nicht).
Interessanterweise durften wir beim Soundcheck der zweiten Gruppe dabei sein, Sleepytime Gorilla Museum. Die Art der teilweise selbstgebastelten Instrumente und die Kostümierung der Musiker waren vielversprechend.
(Aus Wikipedia: Dan Rathbun, der die meisten der eigenwilligen Instrumente konstruiert, spielt unter anderem das sogenannte Slide-Piano-Log, welches aus einer einzigen Klaviersaite besteht und eine Länge von über 2 Metern besitzt. Man spielt es mit zwei Schlagstöcken: Der in der linken Hand dient der Bundierung, und mit dem anderen schlägt man auf die Saite und erzeugt so den Ton. Die Instrumente des Perkussionisten Michael Mellender bestehen aus Küchengeschirr, Mülltonnendeckel und anderen Metallobjekten, die er findet, und die er als Ergänzung zu den traditionellen Perkussionsinstrumenten benutzt)
Und sie hielten das Versprechen. Die Bezeichnung ihrer Musik als Avantgarde-Rock, Avantprog oder Avantgarde-Metal geben nur eine sehr ungefähre Vorstellung von dem was geboten wurde. Zwischen zarten balladenhaften Stellen, Noise-Collagen und heftigsten Ausbrüchen war alles dabei, und zusammen mit der theaterreifen Liveshow kann man die Gruppe als Gesamtkunstwerk verstehen. Vor allem Carla Kiehlstedt an der Geige und der Frontmann Nils Frykdahl haben mir ausnehmend gut gefallen.
In der Umbaupause zu Magma hatten wir einen netten Kontakt zu Nils Frykdahl, der im Gegensatz zu seinem Gebaren auf der Bühne ein freundlicher ruhiger Mensch zu sein scheint. Erstaunlicherweise für einen Amerikaner kannte er nicht nur Brecht und Eisler, sondern auch Inga Rumpf (Frumpy), Guru Guru und Kraftwerk, was Kai sofort zum Anlass nahm, ihm einen Flyer des Radios zu geben
(fotografisch dokumentiert, Bilder folgen).
Zu Magma selbst brauche ich nicht viel schreiben, für die meisten Leute im Saal war die Gruppe Kult und kleinste Bewegungen Christian Vanders verursachten Begeisterungsstürme. Ich sah Magma zum ersten Mal live, im Gegensatz zu ihren Alben waren die neuen Stücke nahezu beschwingt leicht und ich vermisste den sonst rumpelnden grollenden Bass. Doch interessant war es allemal.
Charly kündigte dann noch an, dass Magma höchstwahrscheinlich nächstes Jahr auf Herzberg zu sehen ist.
Mir hat es hervorragend gefallen, den geschätzten andern 200 Leuten wohl auch – ich werde auf jeden Fall versuchen, das nächste Mal wieder dabei zu sein, auch wenn sich diesmal die Heimfahrt durch die Vollsperrung der A3 etwas langwierig gestaltete
, aber das muss ja nicht jedes mal so ein.